Montag, 26. Januar 2015

Suchtgefahr

Ich habe zwei seltsame Hobbys: Aufräumen und entsorgen. Okay, mein Mann würde wahrscheinlich andere Begriffe dafür verwenden, irgend etwas mit krankhaft, Obsession oder Besessenheit.

Edit: Ich habe ihn gefragt und er meinte, Zwangsneurose sei der richtige Ausdruck.


Ja, wahrscheinlich sieht er das Ganze tatsächlich etwas klarer als ich. Weniger Sachen zu besitzen, sollte zur äusserlichen Ordnung und innerlichen Ruhe führen, tatsächlich aber besteht bei meinen Hobbys Suchtgefahr.


Dieser Rausch, wenn ich "punkten" konnte, weil 7 Bücher und 2 alte Vorhänge das Haus verlassen haben. Diese Entzugserscheinungen, wenn ich ZU lange nichts aufgeräumt, verschenkt oder entsorgt habe. Dieser unruhige, ja fast gestresste Blick durch die Schränke und Räume, immer auf der Suche nach Sachen, die ich besitze aber eigentlich nicht brauche. 

Minimalismus ist für mich mehr als Reduzieren von Besitz, aber das Reduzieren von Besitz ist wesentlicher Bestandteil und eine bewegende Erfahrung.

Vor ein paar Tagen las ich in einer Minimalisierungsgruppe auf Facebook einen Beitrag: "Hilfe, ich bin in einer Sackgasse gelandet, ich habe schon soviele Sachen weggeräumt und weiss nicht mehr, wo ich weitermachen könnte"

Jeder normaldenkende Mensch würde sagen: "Mission accomplished!" und würde sich über eine aufgeräumte und entrümpelte Wohnung freuen.

Der suchtgefährdete / süchtige Mininalist bzw die suchtgefährdete / süchtige Minimalistin tickt aber anders: Minimalisieren ist nicht Mittel zum Zweck, sondern ein Ziel  Ein Hobby. Eine Besessenheit. Eine Obsession.
Edit: Eine Zwangsneurose
Das Minimalisieren hat meine Einstellung zu Besitz verändert. Mir ist klar geworden, dass jeder Gegenstand, den ich in meine Wohnung bzw. in mein Leben lasse, gebraucht, gepflegt und irgendwann tatsächlich entsorgt (oder verschenkt) werden muss. Jeder Gegendstand braucht Platz, jeder Gegenstand braucht irgendwann die Entscheidung: Was soll damit passieren?
Jeder Gegenstand brauchte Energie - bei der Herstellung, beim Transport, beim Kauf, beim letzten Umzug, bei der Pflege.. und braucht auch bis zur letzten Ruhestätte weiterhin Energie.
Besitz und seine Pflege kann auch bereichernd sein. Das ist bei mir dann der Fall, wenn ich die Kaufentscheidung sehr bewusst getroffen habe und sie aus einem wirklichen Bedarf oder als Erfüllung eines Herzenswunsches getroffen wurde.
Wichtig wurde die Bedeutung von Fragen wie diese für mich:
  • Was brauche ich wirklich? (Was ist regelmässig "in Gebrauch"?)
  • Wozu möchte ich mich verpflichten?
In den nächsten 2 Wochen möchte ich endlich den Keller aufräumen. Im Keller stehen Sachen, die ich besitze aber nicht mehr brauche (Sachen also, die nicht mehr regelmässig in Gebrauch sind).Den Keller habe ich bisher nicht entrümpelt, weil ich mich vor Spinnen und Mäusen ekle und mich vor solchen Begegnungen regelrecht fürchte. 
Wünscht mir Glück.....


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