Freitag, 9. Januar 2015

Oma

Meine Oma ist 106 Jahre alt.

Wenn ich daran denke, wie lange sie schon lebt und was sie schon alles erlebt hat, kann ich nur staunen.


Ich liebe es, wenn Oma Geschichten von früher erzählt. Schon als ich ein kleines Mädchen war, hing ich an Omas Lippen, wenn sie erzählte, dass meine Mutter früher nicht immer ein so braves Kind war.

Wie es dazu kam, dass meine Mutter aufgrund ihrer Frisur im ganzen Dorf bekannt wurde:





In dieser Strasse, an der Burgemeester Popstraat 2, wuchsen meine Mutter und ihre 14 Geschwister auf.
Das Haus ist auf dem Bild leider nicht zu sehen, es war in der Schulzeit meiner Mutter das erste Haus auf der rechten Strassenseite. Ich kenne die Strasse nur mit zwei neueren Häusern, die neben der Nummer 2 standen.

Eines Winters gab es Schnee in Dinteloord und die Kinder aus dem Dorf rutschten auf zusammengenagelten Holzbrettern die Strasse hinunter. Neben Omas Haus standen schon die Backsteine für den Bau der zwei geplanten Häuser bereit.
Meine Mutter setzte sich auf ihren Schlitten, während eine ihrer Schulfreundinnen ihr einen kräftigen Schubs in den Rücken gab, sodass der Schlitten auf dem Schnee ins Rutschen kam.

Meine Mutter fuhr mit dem Schlitten haarscharf an den Backsteinen vorbei- so haarscharf, dass der Pferdeschwanz aus der Kopfhaut herausgerissen wurde und im Schnee landete.
Ein Mädchen mit kurzen Haaren war damals undenkbar und so musste Oma sich etwas einfallen lassen, damit das fehlende Haar auf der rechten Seite nicht allzu sehr auffiel.
Da meine Mutter nicht gerade ein ruhiges Kind war, war das kein leichtes Unterfangen, denn Omas Kreationen lösten sich andauernd und Oma kann sich noch heute daran erinnern, dass meine Mutter immer wieder mit unzähligen Haarnadeln in ihren Händen traurig dastand und um eine neue Frisur bat.

Dass die Geschichte wahr ist, wusste ich schon vor 40 Jahren. Denn meine Mutter hat bis heute auf der rechten Kopfseite oberhalb des Ohrs einen kahlen Fleck.






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