Freitag, 6. Dezember 2013

Dem Peter sein Velo ist blau


Mariska. So hiess meine allererste Freundin.Mariska war hübsch, blond und lieb. Sie war mein Nachbarsmädchen.
Bei ihr zuhause wurde vor dem Essen gebetet und nach dem Essen gedankt, wie das in evangelischen Kreisen in den Niederlanden so üblich ist. Ich war fasziniert. Von den Gebeten, von den wie auf Kommando gefalteten Händen. Von der Kinderbibel, aus der nach dem Essen immer vorgelesen wurde. Und von Mariska.

Mein Vater war damals Baustellenelektriker und bis zu meiner Einschulung zogen wir alle 9-15 Monate um - von einer Grossbaustelle zur nächsten.
Die Freundschaft zwischen Mariska und mir war also nicht von langer Dauer. Aber ich habe Mariska nie vergessen. Dass ich sie an Weihnachten 2010 nach 42 Jahren wieder traf, ist eine andere Geschichte.

Meine Puppen hiessen Mariska. Alle. 
Und für mich war klar: Sollte ich jemals eine Mädchenmama werden, würde mein Baby den Namen "Mariska" bekommen.

Im Jahr 1980 zogen meine Eltern, meine Schwester und ich in die Schweiz. In das Land also, aus dem die Grosseltern meines Vaters stammen. 

Schon nach wenigen Wochen musste ich einen Traum aufgeben. Mir wurde klar, dass ich - sollte ich in der Schweiz wohnen bleiben - niemals Mama einer Tochter mit dem Namen Mariska werden würde.

Ich war schockiert darüber, wie die Schweizer bestimmte Namen aussprechen: Aus "Cristina" machten sie "Ch-risch-tina" und aus "Saskia" ein hässliches "Sas-k-ch-iaa"

Nein. Das wollte ich meiner Tochter NICHT antun. Mariska ist ein wunderschöner Name, Maris-k-cha jedoch hört sich nach einer gründlich missratenen Apfeltorte an.

Mittlerweile wohne ich seit 33 Jahren im "Land meiner Väter" und noch immer ärgere ich mich so manches Mal über die Aussprache vieler Schweizer.

Oh ja, ich kenne die ganzen Diskussionen darüber, ob das Schweizerhochdeutsch nun einen "Emil-Bonus" hat oder nicht. Oh ja, ich weiss, dass man auch innerhalb Deutschlands an der Sprache eines Menschen erkennen kann, wo er aufgewachsen ist. Und ja, auch die Österreicher haben ihren unverwechselbaren Akzent, das ist mir durchaus bewusst.

Wenn aber Schweizer Politiker das rustikal anmutende Schweizerhochdeutsch mit inkorrektem Deutsch mischen, richten sich meine Nackenhaare auf.

Das doch etwas spezielle "Hochdeutsch" von Frau Bundesrätin Doris Leuthard war schon mal Thema in den  Medien. Gestern hörte ich die Nachrichten auf SRF1, Frau Heidi Grau, Diplomatin, kam zu Wort und sagte: "...von dem her..." 

Da waren sie wieder. Die Nackenhaare.

Dieses unsinnige Vondemher verbreitet sich mittlerweile im ganzen Land. Immer wieder wird vondemhert, als hätte es ein "daher" oder "deshalb" nie gegeben.

Genauso verhält es sich mit den Politikern, die sagen, dass sie "überzeugt sind, dass ....." 
Da fehlt doch etwas! Genau! Da fehlt ein "davon". Ich bin davon überzeugt, dass....

In Bezug auf die Überzeugung gibt es aber noch eine (schweizerische!) Steigerung. In der Schweiz haben Menschen manchmal eine so starke Meinung, dass sie von einer Sache überzogen sind.
In Deutschland gibt man sich damit zufrieden, überzeugt zu sein.
Wenn ich höre, dass Politiker von etwas "total überzogen" sind, stelle ich mir gerne Herrn Blocher vor. 

Überzogen mit einer Schoggischicht. 

Natürlich von Lindt.


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